Kognitive Vielfalt: Belastung oder Vorteil im Team?

Kognitive Vielfalt: Belastung oder Vorteil im Team?

Kognitive Vielfalt: Der größte Vorteil oder die größte Belastung?

Morgen kommt immer, aber es kommt nie an. Das ist die Stimmung, die den Bereich der Führung umgibt. Es ist eine ständige Vorbereitung auf die Zukunft, während man das Beste aus der Gegenwart macht und aus der Vergangenheit lernt.

Evolution geschieht unter Druck.

Die Pandemie und das zunehmende Arbeiten von zu Hause haben Führungskräfte dazu gezwungen, ihre Herangehensweise an Vielfalt und Integration zu überdenken.

Wie können sie Menschen ohne physischen Kontakt das Gefühl geben, geschätzt und verstanden zu werden?

Viele vermissen nicht nur die Vertrautheit der Bürodynamik, der Gewohnheiten und der Ablenkungen, sondern sie müssen auch in ihre eigene Führungsrolle eintreten oder diese ausbauen: sich selbst verantwortlich und motiviert halten, mit sich selbst und ihren Familien auskommen, Vertrauen und Beziehung zu den Beteiligten aus der Ferne aufbauen.

Wenn wir zur Arbeit gehen, wissen wir genau, wie wir uns verhalten, was wir anziehen und wie wir Aufgaben erledigen – oder zumindest so tun, als wären wir beschäftigt. Zu Hause zu sein ist anders.

Wer sind Sie, wenn niemand zuschaut?

Wir haben schon einige amüsante Fotos von Leuten gesehen, die bei Zoom-Anrufen „oben Business, unten Freizeit“ tragen. Echte Persönlichkeiten werden deutlicher sichtbar.

Teil eines physischen Teams zu sein, schafft oft eine Gruppengewohnheit, eine Reihe von Erwartungen, Wege, Dinge zu erledigen und normale Wege der Interaktion.

Der Gruppenzwang in Kombination mit der Macht der Anpassung verbirgt oft die unsichtbare, weniger bekannte Schicht der Vielfalt, und zwar die kognitive.

Es wurde gesagt, dass die kognitive Vielfalt das Immunsystem eines Teams ist; es ist die unsichtbare Schicht, die nachweislich einen Nutzen in Bezug auf die Leistung hat. Das heißt, sie hat das Potenzial für Erfolg oder Desaster. Es kommt auf den Grad der psychologischen Sicherheit und der kulturellen Intelligenz an.

Die unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen an Probleme und Möglichkeiten können eine Quelle der Innovation oder der Frustration sein. In Zeiten der Ungewissheit neigen Menschen dazu, nach mehr Sicherheit zu suchen, was oft bei dominanten Führungskräften zu finden ist. Wie Matthew Syed in seinem Buch „Rebel Ideas: The Power of Diverse Thinking“ erklärt, müssen unterschiedliche Perspektiven und Einschätzungen zum Ausdruck gebracht werden, damit Vielfalt ihre Wirkung entfalten kann. Es hat keinen Sinn, nützliche Informationen zu haben, wenn sie nicht geteilt werden. Die kollektive Intelligenz hängt vom Ausdruck verschiedener Ideen ab. Sie ist jedoch gefährdet, wenn die Führung sie abschalten kann, wenn sie als Bedrohung empfunden wird oder wenn die Mitarbeiter*innen das Gefühl haben, dass ihre Stimme nicht zählt.

Es gibt viele Diskussionen über die Schaffung eines inklusiven äußeren Umfelds und eines sichtbar vielfältigen Teams; es gibt jedoch viel weniger über die Maximierung der kognitiven Vielfalt und ihrer Grundlage, der Selbsteinbindung.

Wie der Verfechter der Vielfalt, Vernā Myers, es ausdrückte: „Vielfalt bedeutet, zur Party eingeladen zu werden. Inklusion ist, wenn man zum Tanzen aufgefordert wird.“

Obwohl die Aussage richtig klingt, geht sie nicht auf eine wichtige Frage ein: Sind Sie bereit und in der Lage, sich zu zeigen?

Die Schaffung eines inklusiven Umfelds ist entscheidend, aber sie erfordert auch eine aktive Teilnahme, die oft durch ein geringes Selbstwertgefühl und mangelndes Selbstvertrauen behindert wird.

Nehmen wir an, jemand lädt mich zu einer Party ein und fordert mich zum tanzen auf. Sie sind so inklusiv wie möglich, aber ich wäre gleichermaßen begeistert und erschrocken, also würde ich höflich nein sagen. Sie haben alles richtig gemacht – es liegt nicht an ihnen; es liegt an mir. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, sehe ich mich ungeschickt auf sie treten, andere anrempeln, möglicherweise auf der Tanzfläche ausrutschen, während alle über mich lachen. Also ist die „logische“ und sichere Entscheidung, solche Situationen zu vermeiden und mich zu verstecken.

Unternehmen geben ein Vermögen für Umfragen zum Mitarbeiterengagement und Programme zur Mitarbeitermotivation aus, doch nur selten werden sie gefragt, ob sie ihr Bestes getan haben, um sich zu engagieren, Sinn zu finden und bessere Beziehungen bei der Arbeit aufzubauen.

 

Es gibt keine Höchstleistung ohne Selbstkontrolle und Zusammenarbeit – mit anderen Worten: psychologische Sicherheit.

Inklusion kann nicht geschaffen werden, indem wir uns selbst oder andere ausschließen, genauso wie psychologische Sicherheit nicht geschaffen werden kann, indem wir unbequeme Gespräche loswerden. Sie werden erschaffen, wenn wir uns durchkämpfen.

Der Schlüssel ist Spannung: das richtige Maß an Spannung innerhalb von Menschen.

Das richtige Maß an Spannung, kanalisiert in die richtige Richtung, schafft Wachstum, Innovation und Erfolg.

Es gibt jedoch einen Haken, vor allem im Unternehmensumfeld: Fehlende psychologische Sicherheit und geringe kognitive Vielfalt können den Anschein erwecken, dass es überhaupt keine Reibungspunkte gibt, da sich alles unter der Oberfläche abspielt und die Organisation und die Menschen darin vergiftet.

Manchmal gibt es so viel Spannung aufgrund von Missverständnissen und mangelnder Fähigkeit zu verstehen, warum Menschen so unterschiedlich denken und verhalten, dass eine polarisierte und rachsüchtige Atmosphäre entsteht.

Jacob Morgan stellte 140 Top-CEOs und 14.000 Mitarbeitern eine Frage: „Was sollten wir Führungskräften jetzt beibringen, um sie auf die Zukunft vorzubereiten?“ Das Ergebnis veröffentlichte er in seinem Buch „The Future Leader“.

Acht der neun Fähigkeiten und Denkweisen aus der Umfrage sind direkt damit verbunden, wie gut wir uns selbst und andere verstehen.

Menschliche Fähigkeiten sind nicht optional; sie gehören zu Geschäfts- und Lebensqualitäten. Da gibt es keine Abkürzung.

Wenn Sie das Thema interessant finden, dann schauen Sie gerne bei meinen aktuellen Workshop-Angeboten vorbei oder schreiben Sie mir einfach eine Mail.

Ihre Gyöngyi Varga

CULTUREBALANCE
Human Capital Development

 

Quellenhinweis: Ein Artikel von Csaba Tóth, dem Gründer von ICQ Global, Entwickler von Global DISC™, die mehrfach preisgekrönte Lösung für Coaches und Firmenkunden zur Leistungssteigerung. Erschienen im FORBES am 19. Juli 2021.

Culturebalance von Gyöngyi Varga ist seit 2016 offizielle Partnerin von ICQ Global, Brighton, UK .

Was hat Trump ziemlich unterschätzt?

Was hat Trump ziemlich unterschätzt?

Die aktuellen Nachrichten motivieren uns zunehmend, über unsere eigene Kultur nachzudenken. Jemand hat dies eher versäumt: Das ist Donald Trump.

Er hat außerdem die Macht der Selbstreflexion und emotionaler Selbstführung ziemlich unterschätzt.

Seine Story beweist, dass es nicht zum Ziel führt, Begriffe und Wörter aus Kontexten herauszugreifen und zu verwenden, um verschiedene Gruppen zu mobilisieren. Und es bringt auf Dauer nichts, wenn aktuelle Trendthemen auf Plakate geschrieben werden. Denn sie bleiben leere Worthülsen, da sie nicht mit (realen) Emotionalität und Klarheit gefüllt sind.

Also was hätte er anders machen können? Was lernen wir daraus?

Kultur ist eine Gruppengewohnheit, bei der wir die meisten ungeschriebenen Regeln auswendig kennen. Wenn wir sie einhalten, dann werden wir von der Kultur akzeptiert und auch mit der Aufmerksamkeit ihrer Mitglieder*innen belohnt. Wir wissen, was in der jeweiligen Kultur als richtig, fair und wahr angesehen wird.

Dieses Wissen macht unser Leben leichter.

Allerdings ist es auch gleichzeitig ein ziemlich großes Problem. Denn wir alle gehören mehreren kulturellen Gruppen an. Sie können alle ein wesentlicher Bestandteil dessen sein, wer wir sind.

Wir sind in einige von ihnen hineingeboren und manche haben wir selbst gewählt. Wir gewöhnen uns an sie. Wir stellen diese Gruppe, zu der wir uns zugehörig fühlen kaum in Frage und schützen sie sogar so streng, als ob unsere gesamte Identität von ihnen abhängig sein würde.

Wir lernen, wie wir in den kulturellen Gruppen effizient navigieren. Wenn wir uns voneinander jedoch sehr unterscheiden, kann uns dies erschöpfen, nervös machen oder frustrieren.

Kultur ist ein Gruppen-Mindset mit verschiedenen Labels. Bestehend aus Gewohnheiten, die wir erlernen. Wenn wir wissen, wer wir sind, wofür wir stehen, können wir die Umgebung so oft wählen, wie wir es auch wollen. Denn wir fühlen uns leichter einbezogen, geschätzt und einfach zugehörig.

Problematisch: Wenn uns das Selbstbewusstsein dagegen aber fehlt oder unser Selbstwertgefühl von externer Zustimmung abhängt, dann übernehmen wir ein vorgefertigtes Mindset schneller, die allerdings von bestimmten kulturellen Gruppen bereitgestellt wurde. Es erleichtert schließlich unser Leben. Oder nicht!? Wir wissen ja dadurch, was und wie wir denken und was wir genau tun sollten. Wir hinterfragen das vorgefertigte Mindset aus diesem Grund eher nicht.

Dadurch entsteht ein binäres Denken: andere werden zu Feinden und unsere Identität hängt von dem von uns gewählten Label ab. Wir würden sogar alles tun, um anderen das Gegenteil zu beweisen, damit wir letztendlich Recht haben können. Sogar auch, wenn die Realität unsere Story nicht unterstützt. (Biden vs. Trump?)

Wir sagen es uns immer wieder und hören auch von anderen, die der gleichen Gruppe zugehörig sind, dass es richtig ist, wie wir denken oder etwas tun. (Kennen Sie den Gedanken „Das gibt’s doch nicht“!?)

Das ist gefährlich.

Wir sollten eher lernen divers zu denken und diverses Denken zu akzeptieren, sogar es auch „auszuhalten“, uns von unseren vorgefertigten Mindset-Labels zu verabschieden, indem wir sie uns bewusst machen, und mit anderen wertschätzend zu debattieren.

Warum?

Menschen zu verstehen ist die Supermacht der Zukunft. Und gleichzeitig auch: die schwierigste Aufgabe in unserem Leben. Die schnelle Digitalisierung und Social Distancing bringen uns noch einen Stück weiter weg davon, diese Aufgabe leicht zu bewältigen.

Was können Sie tun?

Je besser Sie sich selbst verstehen und je genauer Sie Ihr Gegenüber wahrnehmen, desto besser werden Sie verstehen, warum Sie sich und Ihr Gegenüber auf einer bestimmten Art und Weise verhalten. So verschwinden die Labels zwischen Ihnen und Ihrem Gegenüber.

Dadurch entstehen neue Synergien, die Sie jetzt noch kaum ahnen können, dass sie existieren.

„Menschen, die sich verstanden fühlen, schöpfen Kraft aus sich selbst.“ – so die kluge Antwort des Fußballtrainers Jürgen Klopp, als er nach dem Geheimnis seines erfolgreichen Führungsstils gefragt wurde.

Andere zu führen oder andere zu verstehen, ist nur dann möglich, wenn wir uns selbst richtig gut führen lernen. Ehrlich, fair und stets neugierig.

Sie möchten, sich selbst und andere entdecken? Herausfinden, was für ein Typ Mensch Sie sind und wie Sie „ticken“? Wie Sie von anderen verstanden werden und wie Sie sich persönlich weiterentwickeln können? Dann melden Sie sich gleich für mein nächstes Online-Training an und starten Sie in das neue Jahr gleich mit wenigeren Labels und mit mehr Erfolg:

>>> „Sehen, was nicht gesagt wird und verstehen, wie andere ticken“
(Begleitetes Online-Training mit Live-Sessions und 1:1 Coaching.)

Wir starten am 19. Dezember 2020 auf zoom. Seien Sie auch dabei. Die Preofessional-Plätze sind auf 10 Personen limitiert.

Ich freue mich auf Sie.

Ihre Gyöngyi Varga

Culturebalance
Human Capital Development

 

PS: Für diesen Blogbeitrag hat mich mein geschätzer Kollege und Kooperationspartner, Csaba Tóth von ICQ Global, UK inspiriert.